Zurück aus Hawai‘i ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen und die Reise und das Rennen in Kona persönlich zu beleuchten.
Erst einmal: Schön war’s! Nicht so bewegend wie beim ersten Besuch und dem ersten Rennen in Hawai“i vor einigen Jahren, aber richtig schön. Die Landschaften auf Big Island und Kaua‘i, wo wir nach dem Rennen waren, gehören zu den eindrucksvollsten und exotischsten der Welt. Der Aloha Spirit ist spürbar – allerdings auch die Probleme der Locals in einem unfassbar teuren Umfeld. Und natürlich die Nachwehen von Hurricane Lowell, der den Süden von Big Island und quasi halb Kaua‘i durch Überschwemmungen und Stürme schwer beschädigt hat.
Der Plan, in der zweiten Woche nach dem Ironman tüchtig Trails auf der „Jurassic-Park-Insel“ Kaua‘i abzuwandern, war wegen der Zerstörungen leider hinfällig. Aber nach einem fordernden Jahr im Job und einem sehr anstrengenden Rennen einfach mal abzuspannen, am Strand zu liegen und zu lesen, ist ja auch sehr schön. Daran muss man sich allerdings erst einmal gewöhnen. 😉
Der diesjährige Ironman selbst wurde in den Medien als einer der härtesten bisher beschrieben. Ich muss allerdings zugeben, dass ich davon selbst nichts gemerkt habe – außer, dass alles deutlich langsamer war als ursprünglich geplant. Es fühlte sich etwas zäh an, aber nicht wild. Da ich mich nach zwei Wochen Erkältung und Trainingspause am Rennmorgen zwar sportfähig, aber nicht fit gefühlt hatte, kam mir das normal vor.
Das Schwimmen war klar langsamer als üblich, wobei mich Seegang und Strömung nicht gestört haben. Ich liebe das Schwimmen im Meer genauso, wie ich es im Hallen- oder Freibad hasse (und daher meide). Also einfach reingelegt und losgepaddelt, bis ich irgendwann wieder da war. Lief gut und entspannt.
Auf dem Rad war es trotz 2500 TeilnehmerInnen wenig stressig, weil ich als alter Sack (AK 60) sehr früh in der zweiten Startgruppe hinter den Profis gestartet bin. Ich bin gut losgekommen. Diejenigen, die mich überholt haben, waren die Topschwimmer und guten Radfahrer aus den jungen AKs, die 15+ Minuten nach mir gestartet waren. Zwischen Kilometer 50 und 100 wurden das dann doch ziemlich viele. Aber da die alle drei bis fünf Stundenkilometer schneller fuhren und damit auch schnell wieder weg waren, fand ich das nicht nervig!
Zumal ich die Strecke hinter dem Flughafen durch die Lavafelder mit Blick auf den 4.200 Meter hohen Mauna Kea einfach krass geil finde. Auch der Anstieg nach Hawi war cool – kommt man doch wieder ins Grüne.
Mit der Laufradwahl lag ich goldrichtig. Ich mag auf dem Rad zwar Wind, bin aber ziemlich seitenwindsensitiv. Ein 30er-Vorderrad sieht zwar scheiße aus, ergibt bei 70 km/h und fiesen Seitenwindböen auf der Abfahrt von Hawi aber echt Sinn!
Auf dem Rückweg ab Kawaihae kam der ziemlich starke Wind nun von vorn. Bei dem welligen Terrain war das echt anstrengend. Aber mit 90 Kilo kann ich das! In Aeroposition, Kopf runter, Augen zu und durch! Der Schnitt geht runter, aber es überholen einen weniger. Am Ende kommt dann die zweitbeste Radzeit in der AK 60 heraus, und ich komme als Dritter in die Wechselzone.
Ein bisschen mit der wahnsinnig krassen Supporter-Crew quatschen, Sonnencreme und Rouge auflegen – und ab geht’s. Als mich auch noch Lennis Crew und Lua wild anfeuern, gehe ich erst einmal so schnell an, als könnte ich am Ende 3:45 h oder so laufen. Knapp unter fünf Minuten pro Kilometer. Das wäre auch der Idealplan gewesen.
Aber der schwüle Ali‘i Drive hat mir sehr schnell den Zahn gezogen. Schon bei Kilometer 10 liege ich bei deutlich über fünf Minuten pro Kilometer, und ich bekomme Angst vor dem kompletten Einbrechen (ich kann das übrigens ganz gut). Also habe ich das Tempo gedrosselt und bin dann – und glaubt mir, das war immer noch anstrengend – kontrolliert und langsam dahergejoggt. An den Verpflegungsstellen habe ich tüchtig mit Eis gekühlt und literweise Cola in mich reingeschüttet!
So gingen die Highway-Passagen und das Energy Lab vergleichsweise milde mit mir um. Die letzten drei Kilometer hinunter nach Kailua bin ich dann wieder schneller gelaufen, was erstaunlich gut ging. Vielleicht hätte ich mal etwas mehr riskieren sollen …? Hätte, hätte, Fahrradkette. 😉
Aber, alles gut gelaufen: nicht krank, Herz pumpt, kein Sturz, Knochen okay, schöner Wettkampf, nette Leute! So soll es ja sein.
Am Ende habe ich die Ak-Top-Ten knapp verpasst und bin mit 11:04 Stunden 11. von 142 Finisher geworden (bei 166 Startern). Passt doch.
Aloha
Frank
